18/08/2026
Ist Premium Convenience das neue Fast Food? Wenn es nach uns geht, ganz klar JA! Der Begriff verbindet alles, was es in der modernen Gastronomie braucht.
Im Interview verrät der Geschäftsführer der Miesbacher Gastroservice GmbH außerdem, was ihn aktuell an der Branche begeistert, welche Innovationen er sieht und was ihn optimistisch stimmt. Vorhang auf für Teil drei unserer Serie „Zukunftsmut“.
Herr Erb, was begeistert Sie aktuell besonders an Ihrer Branche?
Die Gastro-Branche ist wahnsinnig resilient. In einer Zeit mit unzähligen Verordnungen, wachsender Bürokratie und angespannter Wirtschaftslage beweist sie, dass sie vielen Herausforderungen trotzt und immer weiterkämpft. Die Coronakrise liegt gerade einmal vier Jahre zurück, hat viele ans Existenzminimum gebracht, und trotzdem – oder gerade deswegen – bleibt unsere Branche innovativ. Entscheidend ist eine hohe Anpassungsfähigkeit. Die Veränderungsgeschwindigkeit im eigenen Unternehmen muss dabei höher sein als die äußere. Das sehe ich bei vielen Gastronomen: Sie hinterfragen ihre Konzepte, entwickeln das bestehende Sortiment weiter oder machen aus der Außer-Haus-Verpflegung ein echtes Erlebnis. All das bringt immer wieder frischen Wind in die Branche und macht sie erfolgreich.
Welche Innovationen sind Ihrer Meinung nach unabdingbar?
Innovative Sortimente sind wichtiger denn je. Dazu gehört für mich der Blick auf aktuelle Food-Trends wie etwa histaminfreie oder auch lektinarme Ernährung*. Langzeittrends wie vegane Ernährung oder High Protein sind ebenso wichtig, sollten aber immer wieder überdacht werden, ob sie wirklich zum eigenen Unternehmen passen. Dasselbe gilt für KI: Meiner Meinung nach hat die Einbindung dieser Technologie in vielen Bereichen ihre Daseinsberechtigung. Unsere Branche zähle ich nicht dazu. Hier sehe ich auch zukünftig Kundendienstleistungen mit echten Menschen und den Großhandel als Gewinner, der bewusst auf Chatbots und KI-Telefondienste verzichtet.
Was können wir aus den aktuellen Veränderungen lernen?
Wer flexibel bleibt, behält seine innere Anpassungsgeschwindigkeit und kann langfristig bestehen. Dazu gehört, sich vor nichts zu verwehren und für alles bereit zu sein – sei es für die bereits genannten Food-Trends oder andere Entwicklungen in der Branche.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Branche?
Ganz klar, dass die Gastronomie es schafft, in ihrer Vielfalt weiterhin bestehen zu können. Das wünsche ich mir für jeden einzelnen Betrieb, aber auch darüber hinaus. Denn wenn Restaurants schließen, sind andere Bereiche ebenso betroffen – von Zulieferern bis zu Produzenten. Mein zweiter Wunsch richtet sich an die Regierung: Wir brauchen dringend mehr Klarheit für bestehende und kommende Verordnungen, etwa der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) oder der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Trotz der Teilnahme von mir und meinen Mitarbeitern an zahlreichen Webinaren ist im Team oft unklar, was konkret zu tun ist. Unsere Rückfragen an offiziell zuständige Ansprechpartner können ebenfalls häufig nicht konkret beantwortet werden. Keiner weiß Bescheid. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, Importeuren weniger Bürokratie aufzubürden.
Was gibt Ihnen persönlich Zukunftsmut?
Mein Team. Wir arbeiten auf Augenhöhe, stehen füreinander ein und meistern auch herausfordernde Zeiten – immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Das gibt mir die Zuversicht, dass wir weiter wachsen und bestehen können. Auch der Blick nach draußen stimmt mich optimistisch: Die vielen engagierten Gastronomen, die unsere Branche mit Leben füllen und weiterentwickeln, geben mir echten Zukunftsmut.
*Histamin ist insbesondere in gereiften, fermentierten oder länger gelagerten Produkten enthalten. Bei Histaminintoleranz können diese Lebensmittel Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Lektine sind natürlich vorkommende Eiweiße in pflanzlichen Lebensmitteln, die mit der Entstehung von Entzündungen in Verbindung gebracht werden. Durch Erhitzen werden sie teilweise inaktiviert.
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